Foto: Astrid Ackermann

 

Kompositionsauftrag an Hans Thomalla: Dark Spring

Im Auftrag des Nationaltheater Mannheim und finanziert von der EvS Musikstiftung komponiert der deutsche Komponist Hans Thomalla mit Dark Spring eine Oper in elf Szenen für vier Solisten, Instrumentalensemble und Klangregie. Hans Thomalla ist für Musik, Konzeption und Texteinrichtung zuständig, die Songtexte verfasst der amerikanische Poet und Journalist Joshua Clover. Die Oper Dark Spring präsentiert eine Neuinterpretation des 1891 erschienenen Theaterstücks Frühlingserwachen von Frank Wedekind. Während Frank Wedekinds Schauspiel die Handlungen einer Gruppe Heranwachsender fokussiert, die unter enormen Druck durch repressive sexuelle Normen, durch Leistungsanforderungen der Schule und durch eine autoritäre Elterngeneration stehen, ein Druck, der alle individuelle Entwicklung im Keim erstickt, so präsentiert die Oper eine fast gegenteilige Situation. Die jungen Frauen und Männer in Dark Spring erscheinen als „coole“ Generation in einer kalten Gesellschaft – Teenager oder junge Erwachsene, die gelernt haben, ihre Gefühle und ihre Verletzlichkeiten zu verbergen in einer Welt geprägt durch ständigen Wettbewerb. Der Druck, sich moralischen Normen anzupassen, der die Gesellschaft im Wedekindschen Original definiert, ist dem Credo extremer Individualität gewichen. An die Stelle überkommener impliziter und expliziter sexueller Tabus ist ein spätkapitalistisches Ideal ultimativer individueller Freiheit und Risikobereitschaft getreten: Jeder wird zum Alleinunternehmer seiner Arbeit, seiner Biografie, seiner Sehnsüchte. Die Unverbindlichkeit kurzer, loser Begegnungen ersetzt echte Beziehungen. Unter der schwerelosen, glänzenden Oberfläche von Ironie und Leichtigkeit, blitzt jedoch die Sehnsucht nach wirklichem, unvermitteltem Selbsterleben und nach ungeschütztem Ausdruck auf. Die Musik von "Dark Spring" ist durch die kontinuierliche Bewegung zwischen Pop-Musik und ihren Stereotypen einerseits und den Geräuschklängen einer Neuen Musik, die noch frei von verbindlichen Ausdruckskonventionen erscheint, andererseits bestimmt. Auch wenn die harten Auseinandersetzungen des Wedekindschen Originals in der Oper einer auf den ersten Blick viel stilleren, unaufgeregteren Oberfläche gewichen sind, so schimmert ein anderer Konflikt durch. Es ist der Konflikt zwischen der Angst zu fühlen, zu begegnen, und sich zu offenbaren, und der Sehnsucht, sich und den Anderen zu spüren und für dieses Verlangen einen eigenen Ausdruck zu finden.

 

Uraufführung:
9. März 2019
Nationaltheater Mannheim

Weitere Aufführungen:
10. März – 31. Juli 2019
Nationaltheater Mannheim

Weitere Informationen:
www.nationaltheater-mannheim.de