Ernst von Siemens Musikpreisverleihung 2017

Am 2. Juni 2017 verlieh die Ernst von Siemens Musikstiftung dem Pianisten Pierre-Laurent Aimard den internationalen Ernst von Siemens Musikpreis. Michael Krüger, Vorsitzender des Stiftungsrats der Ernst von Siemens Musikstiftung und Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, überreichte Pierre-Laurent Aimard die Auszeichnung bei einem musikalischen Festakt im Münchner Prinzregententheater.

Zu Beginn der Preisverleihung wurden Michael Pelzel aus der Schweiz, Simon Steen-Andersen aus Dänemark und die Schwedin Lisa Streich mit den Komponisten-Förderpreisen 2017 ausgezeichnet.

Hier können Sie den Mitschnitt der Preisverleihung ansehen und hier können Sie einen Blick ins Programmheft werfen.

Die Laudatio auf Pierre-Laurent Aimard hielt George Benjamin, der seit seiner Jugend mit ihm befreundet ist und ihn als historische Figur würdigte: „In den zurückliegenden Dekaden hat niemand auf der Welt einen größeren Einfluss auf die Natur der Klavierliteratur und die Verbreitung moderner Musik als Tasteninstrumente gehabt als Aimard.“ Er sei neugierig und experimentierfreudig, kompromisslos loyal sowie der modernen Musik und der Idee des zeitgenössischen Komponisten von Anfang an treu ergeben gewesen. Nur so konnte Benjamin sich erklären, dass Aimard in seinem letzten Jahr als Leiter des Aldeburgh-Festival zahlreiche Briten dazu bewegte, mitten in der Nacht aufzustehen, um sich – gleichzeitig mit dem Sonnenaufgang – in der freien Natur die ersten Töne von Messiaens Catalogue d’oiseux anzuhören.

Aimard sagte in seiner Dankesrede: „Es ist mir eine außerordentliche Ehre, diese Anerkennung einer Institution, die die Komponisten als das Herz des musikalischen Lebens versteht, zu empfangen. Sie zeichnen heute einen Diener der Komponisten aus, einen, der zur Verfügung steht, um sie zu repräsentieren und im Aufführen ihrer Werke ihr Schaffen einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Forschend auf der Suche nach dem Verständnis des Universums des Komponisten zu sein, seine Botschaft im Lernen seiner Sprache freizulegen, macht den Interpreten zu einem Handwerker der Artikulation und Darstellung.“ Unsere Welt sei vielschichtig, jeder Komponist und jeder Schaffende spreche seine eigene Sprache. Kinder und Jugendlichen seien in der Lage, fremde Sprachen zu lernen, deshalb fragte Aimard: „Warum verweigert man ihnen den Zugang zu solcher Kenntnis? Wieso ist die institutionelle, musikalische Bildung so erstarrt, dass sie siebzig Jahre Repertoire ignoriert, wo der Zugang zu dieser Musik uns doch das Leben in unserer heutigen Welt lehrt? Zeitgenössische Werke und ihre vielseitige Ästhetik umfassend zu lehren und unterrichten, das wäre ein hervorragendes Mittel, um innerlich wach zu bleiben und um gegen innere Abschottung zu kämpfen. Die Entscheidung der Jury, mich mit  diesem Preis auszuzeichnen, ist die größte Inspiration, um diesen Kampf fortzuführen.“

Anschließend spielte Aimard Shadowlines von George Benjamin, Passio sine nomine von György Kurtág, zwei der Études von György Ligeti – Entrelacs und Der Zauberlehrling –, Passacaglia canonica aus Miniature Estrose von Marco Stroppa, Elliott Carters Caténaires sowie zusammen mit seiner Frau Tamara Stefanovich Frames für Klavier zu vier Händen von Vassos Nicolaou. Die Auswahl der gespielten Stücke erläuterte Aimard im Gespräch: „Mein Programm setzt sich aus Werken von Komponisten zusammen, mit denen mich eine besondere Beziehung und enge Zusammenarbeit verbindet. All diese Werke sind mir gewidmet und wurden von mir uraufgeführt – sie nehmen einen wichtigen Platz in meinem musikalischen Werdegang ein: zusammengenommen bilden sie eine Art Essenz von mir als Interpret.“

Das Münchener Kammerorchester (MKO) unter der Leitung von Jonathan Stockhammer spielte zu Beginn der Preisverleihung einen Auszug aus AUGENLIDER von Lisa Streich, einem Stück für präparierte Gitarre und Orchester. Solistin war die junge britische Gitarristin Laura Snowden. Von Michael Pelzel spielte das MKO einen Auszug aus seinem Konzert für CLEX und Orchester Gravity’s Rainbow. Solist an der CLEX, einer elektronisch erweiterten Kontrabassklarinette, war Ernesto Molinari. Simon Steen-Andersen brachte Run Time Error, eine Joystick-kontrollierte Video-Performance, zur Aufführung. Zu jedem der drei Komponisten-Förderpreisträger wurde ein Porträtfilm von Johannes List gezeigt, die Sie hier ansehen können (Lisa Streich, Michael Pelzel, Simon Steen-Andersen).

Nachdem das Publikum Pierre-Laurent Aimard am Ende des Festaktes mit Standing Ovations und begeistertem Beifall von der Bühne begleitet hatte, feierten die Gäste der Preisverleihung bis in die Nacht im Gartensaal des Prinzregententheaters.