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Kompositionsauftrag an Eva Reiter

Ictus, Brüssel (BE)

„Wer kann sagen, was die Welt ist? Die Welt ist im Fluss, daher unlesbar, die Winde bewegen sich, die großen Platten verschieben und verändern sich unsichtbar.“ – Louise Glück, Averno

Eva Reiter (Komposition) und Michiel Vandevelde (Choreografie) präsentieren eine experimentelle Oper mit Gebärdensprache für Gehörlose, Tanz und einem ganzen Instrumentarium, das speziell für diesen Anlass entwickelt wurde. In ihrem Werk konzentrieren sich die Komponistin Eva Reiter und der Choreograf Michiel Vandevelde auf die Koexistenz und den Austausch verschiedener Welten, die sich nacheinander auf der Bühne entfalten. Dabei ist es der Prozess der Übersetzung, der zum Entstehen solcher neuen Welten führt. Durch die Übersetzung und Neukontextualisierung von Symbolen, Zeichen, Gesten und Klängen werden neue Sprachen geschaffen, die schließlich die Perspektive auf eine bestimmte Welt verändern.

Im Mittelpunkt des Stücks steht Ruben Grandits, ein junger gehörloser Performer, der als einziger – obwohl nicht hörend – in der Lage ist, die Geschichte an das Publikum zu übermitteln. Seine Hände sind mit Sensoren ausgestattet, so dass seine Bewegungen direkt in Töne übersetzt werden. Seine Gebärden, wenn er zum Publikum spricht, dienen als Basis für die Welt der Klänge und Bewegungen. Umgekehrt wird die Musik in visuelle Zeichen zurückübersetzt, wodurch das Stück auch für Gehörlose zugänglich wird. The Rise konzentriert sich auf Echos und Vermittlung. Es veranschaulicht Formen der Kommunikation, bei denen die Vermittlung nicht vermieden werden kann und soll. Die Oper basiert auf der Lyrik der Nobelpreisträgerin Louise Glück. Vor allem ihre Veröffentlichung Averno dient als Hauptmaterial für das Libretto. Averno, ein Kratersee in Italien, galt als das Eingangstor zur Unterwelt. In ihren Gedichten verbindet und wechselt Glück die beiden Welten der Lebenden und der Toten und kehrt von der einen in die andere zurück. Die Oberfläche des Sees wirkt wie eine durchlässige Membran oder ein Durchgang in die jenseitige Welt und evoziert Bilder von Leben und Tod, von Ewigem und Profanem.

Während des gesamten Werkes sind keine traditionellen Musikinstrumente zu sehen und zu hören, sondern nur neu konstruierte, selbst entwickelte, die die Grundlage der Partitur und des Bühnenbildes bilden. Alle Instrumente wurden mit dem Ziel entwickelt, Bewegung direkt in Klang zu übersetzen. Diese Instrumente werden teilweise kollektiv bedient. Das Ensemble besteht aus vier Tänzer*innen, fünf Musiker*innen, zwei Sänger*innen und dem Erzähler. Alle zusammen bilden zusätzlich einen Chor, der in seiner kollektiven Arbeit eine entscheidende Funktion übernimmt und sich zunehmend als neue Gemeinschaft begreift.

Der Kompositionsauftrag an Eva Reiter für Ictus wird von der Ernst von Siemens Musikstiftung ermöglicht.

Weitere Informationen:
ictus.be

Termine

20. und 21. September 2024
Centre Pompidou, Paris

1. und 2. Oktober 2024
Festival Musica, Straßburg

26. März 2025
Concertgebouw, Brügge

29. und 30. März 2025
Klarafestival, Brüssel