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Atompilz vor gelbem Hintergrund

Kompositionsauftrag an Ondřej Adámek

Oper Köln (DE)

Ondřej Adámek schafft im Auftrag der Oper Köln die große Choroper INES. INES – so lautet die Abkürzung für die Internationale Bewertungsskala für nukleare und radiologische Ereignisse – stellt ein an Orpheus und Eurydike angelehntes Paar ins Zentrum, das durch eine nukleare Katastrophe auseinandergerissen und in unterschiedlichen Zeit-, Welt- und Klangräumen an Grenzen geht. INES ist als große, abendfüllende Choroper in einem Prolog und fünf Bildern konzipiert, mit 40-80 Chorstimmen, aufgeteilt auch in verschiedene Untergruppen. Der Chor begleitet die beiden Hauptpartien O. und E. sowie vier weitere solistische Frauenstimmen. Alle Musik ereignet sich im gesamten Raum im StaatenHaus, auf der Bühne ebenso wie zwischen Zuschauern, wo mobile Gruppen aus Sänger*innen und Instrumenten platziert werden.

Der Orpheus-Mythos, der mit Monteverdis L’Orfeo die Form der Oper selbst begründete, inspirierte den tschechischen Komponisten Ondřej Adámek und die Librettistin und Regisseurin Katharina Schmitt zu ihrer zweiten gemeinsamen Arbeit. O. wird von einer unbändigen Trauer erfüllt, denn seine Geliebte E. ist tot. Er kann sie nicht mehr hören, sich nicht mehr an ihr Gesicht erinnern und will am liebsten selbst zum Schatten werden. Es ist eine der berührendsten Liebesgeschichten – die Geschichte aus der antiken griechischen Mythologie von Orpheus, der seine Geliebte Eurydike an das Reich der Schatten verliert, dem es jedoch gelingt, mit seinem Gesang Pflanzen und Tiere, sogar die Götter zu bezwingen und Eurydike aus der Unterwelt zu holen. Auf dem Weg zurück ans Licht dreht sich Orpheus, trotz eines Verbots, nach Eurydike um und verliert sie ein zweites Mal. Zwischen absoluter Stille und ohrenbetäubendem Lärm, Atomwinter und Hitze, gleißendem Licht und absoluter Dunkelheit singen die Figuren in INES über menschliche Grenzen und die Schwierigkeit, diese zu überwinden. Ondřej Adámek lässt uns dabei hören, wie sich die Stimme und alle menschlichen Sinne durch den atomaren Unfall verändern, wie O. von der Sprech- zur Singstimme findet und E. ins Stimmenmeer im Jenseits zerfällt. Auch die Einheit von Ort und Zeit scheint aufgelöst, die Liebenden auf ewig voneinander getrennt. Denn während O. sich in der linear ablaufenden Zeit der Lebenden befindet, geht E. in der Zeitlosigkeit der Toten auf und muss mit ansehen, wie ihr Körper zur unbeweglichen und durchsichtigen Hülle wird.

Der Kompositionsauftrag an Ondřej Adámek für die Oper Köln wird von der Ernst von Siemens Musikstiftung ermöglicht.

Weitere Informationen:
oper.koeln

Termine

16., 20., 22., 26. und 28. Juni 2024
Staatenhaus der Oper Köln