George Benjamin

„Musik ist gewiss die abstrakteste, am wenigsten erd­ver­wurzelte aller Künste. Dieser Tat­sache ver­dankt sie ihre ein­malige Kraft und ihr Poten­zial. Wer komponiert, wird mit Fragen kon­frontiert, die in alle möglichen Be­reiche hinein führen: Archi­tektur, Logik, Psycho­logie, Technik. Kompo­nieren ist zu­nächst ganz einfach ein Machen, ein Hand­werk. Die Kompositionen sind ge­machte Ob­jekte, und der Arbeits­prozess ist für das End­ergebnis – mehr als viele vermuten – von ent­scheidender Be­deutung. Nur wenn alle diese Elemente in einem harmonischen Ver­hältnis zu­einander stehen, ist die Musik in der Lage zu „erheben“ und die Seele zu berühren …“ 

George Benjamin (geboren 1960) komponierte bereits im Alter von sieben Jahren. Ab 1976 studierte er Kompo­sition am Pariser Konser­vatorium bei Olivier Messiaen, danach bei Alexander Goehr am King’s College. Sein erstes Werk für Or­chester, Ringed by the Flat Horizon, wurde bei den BBC Proms auf­geführt, als er gerade 20 Jahre alt war. 

Foto © Renske Vrolijk Royal Concertgebouw 

 

 

 

 

 

Benjamin dirigierte die Erst­aufführung von Sudden Time 1993 beim Meltdown Festival sowie von Three Inventions for Chamber Orchestra 1995 bei den Salzburger Festspielen. Mit der Ur­aufführung von Palimpsests eröffnete das LSO unter der Leitung von Pierre Boulez 2002 seinen saison­umspannenden Rück­blick auf Benjamins Gesamt­werk, By George. Bei diesem Projekt wurde durch Pierre-Laurent Aimard erst­mals auch Shadowlines aufgeführt. Into the Little Hill, eine Kammer­oper zu einem Libretto von Martin Crimp, kam 2006 beim Festival d’Automne in Paris zur Ur­aufführung. Eine zweite Zusammen­arbeit mit Crimp, Written on Skin, wurde vom Festival d‘Aix-en-Provence in Auftrag ge­geben und feierte dort im Juli 2012 seine Premiere. Seit­dem wurde die Oper in mehr als zwanzig Opern­häusern welt­weit auf­geführt. Die Ur­aufführung von Benjamin und Crimps jüngster Zusammen­arbeit, Lessons in Love and Violence, findet voraus­sichtlich 2018 am Londoner Royal Opera House statt.

Conducting score

„Jedes einzelne von Benjamins Orchesterwerken… ist ein wunder­bar ge­staltetes Meister­werk, oft das Er­gebnis jahre­langer Planung und Vor­arbeit“ (The Guardian)

Als Dirigent beherrscht George Benjamin ein breites Reper­toire und dirigierte bereits zahl­reiche Ur­aufführungen, darunter Werke von Rihm, Chin, Grisey und Ligeti. Er ar­beitet regel­mäßig mit welt­weit führenden Orches­tern wie dem Mahler Chamber Orchestra, der London Sinfonietta und dem Ensemble Modern zu­sammen; eine be­sonders enge Be­ziehung ver­bindet ihn mit dem Concertgebouw-Orchester.

Foto © Javier del Real

 

George Benjamin wurde 2017 zum Ritter ge­schlagen und 2015 Commandeur dans l’ordre des Arts et des Lettres. Er lehrt seit 2001 als Henry Purcell Professor für Kompo­sition am King‘s College, London. George Benjamin ist seit 2000 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

„… einer der größten Musiker unserer Zeit!“ (El País)

„Es geht mir nicht um eine kopf­lastige Klar­heit, meine Musik ist nicht ab­gehoben. Sie klingt zwar zu­weilen sehr dunkel, aber ich möchte, dass auch da jeder­zeit die Struktur zu hören ist. Das ist schliess­lich mein Job als Kompo­nist. Selbst wenn ich komplex arbeite und wie in den Palimpsests acht, neun Schich­ten über­einander lege, soll keine Bouilla­baisse entstehen, sondern Klar­heit. Das gibt der Musik ihre Ener­gie; die Harmo­nien und Poly­phonien werden so deutlich.“

Foto © Matthew Lloyd

Pierre-Laurent Aimard über Goerge Benjamins Shadowlines

„George, mit dem ich seit unserer Jugend be­freundet bin, hatte sich zurück­gezogen um sein Orchester­werk Palimpsests zu komponieren, als er mich plötz­lich an­rief und mir an­kündigte, er würde mir ein neues Klavier­werk zu­schicken. Das war eine große Über­raschung, hatte er doch seit Jahren nicht mehr für Klavier kompo­niert. Seine Ar­beit an Palimpsests war zwischen­zeitlich ins Stocken ge­raten und erst durch das Ent­wickeln und Aus­arbeiten von Shadowlines konnte er den Kompositions­prozess wieder in Gang setzen.

Das Zusammen­wirken des be­zaubernden klang­lichen Charmes, den Georges Musik schon immer inne­hatte, und der poly­phonen Strenge seines Spät­stils wird zur Aus­sage des Stückes, der gegen­seitigen Durch­dringung zweier gegen­sätzlicher, bei­nahe wider­sprüchlicher musi­kalischer Formen: Prélude und Canon.“

„…einer der heraus­ragenden Kompo­nisten seiner Generation“ (The New York Times)

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