Le Naufrage du Titanic / The Sinking of the Titanic

Le Nouvel Ensemble Contemporain, La Chaux-de-Fonds, Schweiz


Seit fast 25 Jahren sucht das Nouvel Ensemble Contemporain (NEC) nach Herausforderungen, spielt und vergibt Kompositionsaufträge für neue Werke, um das eigene Repertoire zu erweitern und seinem Publikum die große Bandbreit der modernen Musik präsentieren zu können. Dabei bewegen sich die Musiker in der Schweizer wie in den internationalen Szenen. Ihre Offenheit gegenüber anderen Musikgenres geht weit über die Musik hinaus, gemeinsame Projekte mit Künstlern aus den Bereichen Theater, Tanz, Literatur oder visuelle Kunst, Fotografie und Video wurden ebenfalls schon realisiert. In den Programmen des NEC spiegelt sich das große Interesse, ein neues Publikum anzusprechen, mit zahlreichen Vermittlungsprojekten sollen auch junge Hörer gewonnen werden.

2019 stellt NEC den englischen Komponisten Gavin Bryars und die irische Komponistin Jennifer Walshe in ihrem Programm vor. Gavin Bryars, 1943 in Goole, Yorkshire, geboren, war in den späten 1960er-Jahren stark in der experimentellen Musikszene Englands engagiert. Er übertrug die Protesthaltung der 1968er-Jahre in sein Komponieren und arbeitete mit dem politischen Komponisten Cornelius Cardew zusammen. 1968 reiste er nach Amerika und arbeitete für kurze Zeit mit John Cage und Lejaren Hiller an der Realisierung ihrer Computerkomposition HPSCHD. Nach England zurückgekehrt, gründete Bryars zusammen mit Brian Eno und Michael Nyman Portsmouth Sinfonia. Die Mitglieder dieses Orchesters durften kein Instrument beherrschen. Sein Werk Der Untergang der Titanic (The Sinking of the Titanic) von 1969 erlaubt den Musikern, eine Reihe von verschiedenen Klang- und sonstigen Quellen zu verwenden, die mit dem Untergang des Luxusdampfers zusammenhängen. Bryars Musik orientiert sich an östlichen Konzepten wie Monotonie und Intentionslosigkeit, gerade der Augenblick des Untergangs der Titanic wirkt wie eine Meditation von erstarrter Zeit. Jennifer Walshe, 1974 in Dublin geboren, begann mit dem Trompeten-Spiel. Sie studierte Komposition bei John Maxwell Geddes am Royal Conservatoire of Scotland, Glasgow, und bei Kevin Volans in Dublin; im Juni 2002 graduierte sie an der Northwestern University, Chicago, wo sie bei Amnon Wolman und Michael Pisaro studiert hatte. Besonders der Unterricht bei Wolman, der Walshe zum improvisatorischen und unorthodoxen Einsatz ihrer Stimme ermutigte, prägte sie. In die Zeit ihres Amerika-Aufenthalts fällt eine dezidierte Beschäftigung mit der Genderforschung, die Walshe auch für die Komposition adaptierte. So zählt neben der Klangsemantik, die besonders in here we are now für Stimme, Posaune, Cello und Perkussion (2002) an Bedeutung gewann, ihre besondere Beschäftigung mit den Klangcharakteristika von Frauenstimmen zu den einflussreichen Erfahrungen. Der Einfluss durch Helmut Lachenmann, den Walshe betont, manifestiert sich primär im geräuschhaften Einsatz der Instrumente. Durch zwei Stipendien gelangte sie nach Deutschland: 2003 verbrachte sie an der Akademie Schloss Solitude, 2004 wurde ihr ein Stipendium des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) verliehen, das sie nach Berlin führte.


2. Februar 2019
Théâtre des Abeilles, La Chaux-de-Fons, Schweiz

5. Februar 2019
Casino-Théâtre, Festival Antigel, Genf, Schweiz

3. April 2019,
Festival Archipel, Genf

5. April 2019
QG & Skate Park, La Chaux-de-Fons, Schweiz


Weitere Informationen:
lenec.ch