Schweizer Erstaufführung von Luigi Nonos AL GRAN SOLE CARICO D'AMORE

Theater Basel plant als Eröffnungsproduktion der Spielzeit 2019/20 die Schweizer Erstaufführung von Luigi Nonos szenischer Aktion Al gran sole carico d'amore. Die Produktion, die 1975 in Mailand uraufgeführt wurde, soll zu einer intensiven öffentlichen Auseinandersetzung mit der politischen, humanistischen Dimension des Werkes anregen. Luigi Nonos erklärtes Ziel war es, die Zuhörer seiner Werke nicht nur als Rezipienten von Musik zu fordern und das „Ohr aufzuwecken“, sondern sie auch zu geistiger Anteilnahme und politischer Partizipation zu bewegen. Ganz bewusst bewegte er sich bisweilen abseits der von Teilen der Öffentlichkeit als elitär wahrgenommenen Zirkel für Neue Musik, um seine Werke unter anderem der Arbeiterschaft in Fabriken vorzustellen. Auch wenn sich Nono als Kommunist verstand, so ließ er sich doch nie für die Parteiideologie vereinnahmen. Sein humanitärer Ansatz war umfassend: „Alle meine Werke gehen immer von einem menschlichen Anreiz aus: ein Ereignis, ein Erlebnis, ein Text unseres Lebens rührt an meinen Instinkt und an mein Gewissen und will von mir, dass ich als Musiker wie als Mensch Zeugnis ablege.“

In seiner szenischen Aktion Al gran sole carico d'amore stellt Luigi Nono Figuren in den Mittelpunkt, die zu verschiedenen historischen Zeiten gegen Ungerechtigkeit gekämpft haben – und dabei scheiterten. Dabei verknüpft er in seinem Libretto unterschiedlichste literarische Quellen, wie Zeitzeugenberichte, historische Kommentare sowie literarische Auseinandersetzungen – und spannt so einen großen Bogen, der von der Pariser Commune bis zum Vietnamkrieg reicht und in seiner historisch-geografischen Dimension Zeit und Raum zu sprengen scheint. Insbesondere den an den revolutionären Kämpfen maßgeblich beteiligten Frauen setzt Nono ein Denkmal. Ihnen und den anderen Revolutionären schreibt er eine Art Requiem, das gleichermaßen auch ein Zeichen setzen soll für die Notwendigkeit, den Kampf gegen das Unrecht nie aufzugeben. Gerade heute, wo der moralische Kompass unserer Gesellschaft vielerorts neu vermessen zu werden scheint, nimmt Theater Basel eine aktuelle Auseinandersetzung mit Al gran sole carico d'amore als dringlich wahr – mit all der gebotenen kritischen Distanz zu dem in der Vergangenheit bisweilen als kommunistisches „Bekenntnistheater“ missverstandenen Werk.

Mit Al gran sole carico d'amore greift Nono auf die Möglichkeiten eines großen Orchester- und Bühnenapparates zurück, eine Herausforderung, die Theater Basel annimmt. Regie führt Sebastian Baumgarten, den eine starke Geistesgenossenschaft mit dem Werk verbindet. Aufgrund der engen Verzahnung von musikalischer Gestalt und politischem Anliegen in Nonos Schaffen ist beides nicht getrennt voneinander zu betrachten. Daher ist im Rahmen der Basler Aufführungen ein umfangreiches Begleitprogramm geplant, um einer breiten Öffentlichkeit das Werk und seinen Kontext für das Heute zu erschließen.


14., 20., 22., 28., 29. September 2019
Große Bühne, Theater Basel, Schweiz


Weitere Informationen:
theater-basel.ch