Foto: Chen Chengwen

 

Intime Kommunikationen

tritonus – Verein zur Förderung der zeitgenössischen Musik e.V., Bremen, Deutschland


Tritonus e.V. hat mit der Konzertreihe HörenSehen ein Format in Bremen geschaffen, das sich unterschiedlichsten Formen visueller Musik widmet und neue Arbeiten in diesem Bereich initiiert. Im Rahmen dieser Reihe sollen nun beim Konzertprojekt Intime Kommunikationen insgesamt vier neue audiovisuelle Gitarrenwerke mit den Interpreten Henrik Dewes und Tobias Klich entstehen.

Die vier neuen Kompositionen beschäftigen sich jeweils in ganz eigener Weise mit dem Thema: Tomoya Yokokawa lotet das intime Verhältnis von Körper und Instrument und dessen erotisches Potential aus; die theatralen Bewegungen des Gitarristen sind dabei auf das Engste mit der Musik verbunden. Bei der Komponistin Farzia Fallah findet die intime Kommunikation zwischen zwei Gitarristen statt, die mit gebührendem Abstand Rücken an Rücken sitzend zu einem einzigen Klangkörper verschmelzen. Die unübliche Sitzposition der Musiker, jeweils mit dem Profil zum Publikum, verheimlicht einerseits einiges der Spielaktionen, andererseits entsteht ein neuer szenischer Zusammenhang der spiegelbildlichen Spielbewegungen der beiden Körper. Intimität also auf körperlicher, visueller und auch klanglicher Ebene. Jieun Jun interessiert sich für eine Situation, in der sich zwei sprechende Gitarristen beim Musizieren selbst beobachten und in einer weiteren Ebene wiederum diese Beobachtungen sowie auch das Publikum und dessen Reaktionen beobachten. Mit ihrer Erfahrung als Dirigentin richtet die Komponistin ihren Blick auf den Zusammenhang von Körpergesten und musikalischer Kommunikation. Mattia Bonafini schafft schließlich intime Kommunikationen mit größtmöglicher räumlicher Distanz. Das Publikum wandelt in einer begehbaren Klanginstallation mit sechs im Raum verteilten Gitarren, die mit Hilfe von Körperschallwandlern zum selbständigen Klingen angeregt werden können. Gesteuert wird dieses elektroakustische System durch einen Gitarristen auf der Bühne, der eine Art gesellschaftliche Kommunikation mit den anderen Gitarren in Gang setzt. Die Live-Elektronik reagiert, antwortet, geht aber auch eigene Wege.

Zwischen den vier Uraufführungen im Konzert vertiefen Videointerviews, die Fragen nach den gesellschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die zwischenmenschlichen intimen Kommunikationen. Die Ernst von Siemens Musikstiftung fördert die Kompositionsaufträge und ihre Uraufführungen.


Weitere Informationen:
tritonus-verein.de